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<title>Der Hase</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Der Hase</span></h1>
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<p><i><b>Der Hase</b></i><sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> (französisch: <i><span lang="fr">La lièvre</span></i>)<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> ist der Titel eines Gemäldes des französischen Malers <a href="%C3%89douard_Manet" title="Édouard Manet">Édouard Manet</a>. Das 97,5 × 61 cm große, in <a href="%C3%96lmalerei" title="Ölmalerei">Öl auf Leinwand</a> gemalte Bild zeigt einen toten Hasen als Jagdtrophäe an einer Hauswand. Das zu einer Serie von vier nahezu gleich großen <a href="Stillleben" title="Stillleben">Stillleben</a> gehörende Werk entstand 1881 während eines Kuraufenthaltes in <a href="Versailles" title="Versailles">Versailles</a>, als Manet bereits von schwerer Krankheit gezeichnet war. Das Gemälde gehört zur Sammlung des <a href="National_Museum_Cardiff" title="National Museum Cardiff">National Museum Cardiff</a> in <a href="Cardiff" title="Cardiff">Cardiff</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bildbeschreibung">Bildbeschreibung</h2></div>
<p>Abgebildet ist ein toter Hase, der als <a href="Troph%C3%A4e" title="Trophäe">Jagdtrophäe</a> an einer Hauswand hängt. Das im Hochformat ausgeführte Gemälde zeigt in der Bildmitte den ausgestreckten Hasen etwa in Lebensgröße. Er ist mit zusammengebundenen Hinterläufen an einem Nagel aufgehängt, der sich an der Außenseite eines Fensterrahmens befindet. Trotz eines flüchtigen Pinselstrichs sind Details wie die Struktur des graubraunen Fells, der weiße Schwanz (die <i>Blume</i>) und der Kopf mit den geöffneten Augen, den langen Ohren und den <a href="Vibrisse" title="Vibrisse">Tasthaaren</a> zu erkennen. Die linke Bildhälfte nimmt ein geschlossenes Fenster ein, das von den Bildrändern abgeschnitten wird. Deutlich sind die dunkelbraunen Holzleisten des rechten und unteren Rahmens zu sehen, zudem gibt es im unteren Bereich zwei diagonale und darüber in der Mitte zwei parallel verlaufene Verstrebungen. Hinter dem Fensterglas ist in verschiedenen Grautönen der Faltenwurf einer zugezogenen Gardine oder eines Vorhangs angedeutet. In der rechten Bildhälfte rankt eine Kletterpflanze an einer sandfarbene Hauswand empor. Zwar sind vereinzelte grüne Blätter erkennbar, der Bewuchs ist jedoch teilweise lediglich mit einem Pinselstrich im abstrakten Zickzackmuster wiedergegeben. Gerade in diesem Bereich wirkt das Bild skizzenhaft unfertig wie eine „ébauche“.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das Gemälde ist nicht signiert oder datiert.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Gartenbilder_aus_Versailles">Gartenbilder aus Versailles</h2></div>
<p>Manet verbrachte 1881 mehrere Monate in Versailles, wo er sich zur Kur aufhielt. Er suchte dort Linderung von den Folgen einer <a href="Syphilis" title="Syphilis">Syphilis</a>-Erkrankung, unter der er seit Ende der 1870er Jahre litt. Insbesondere hatte er Schmerzen im linken Bein, wodurch er Probleme beim Gehen hatte, ihm aber auch das lange Stehen an der Staffelei Schwierigkeiten bereitete. In Versailles wohnte er von Ende Juni bis Oktober in einem Haus in der Avenue de Villeneuve–l’Étang Nr. 20. Seine ursprüngliche Idee, während des Aufenthaltes im <a href="Schloss_Versailles" title="Schloss Versailles">Schlosspark von Versailles</a> zu malen, scheiterte vermutlich an seiner Gesundheit und am unsteten Wetter. So schrieb er in einem Brief an seinen Freund <a href="St%C3%A9phane_Mallarm%C3%A9" title="Stéphane Mallarmé">Stéphane Mallarmé</a> vom 30. Juli 1881: „Ich bin nicht zufrieden mit meiner Gesundheit, seit ich in Versailles bin.“<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> An seine Malerkollegin <a href="Eva_Gonzal%C3%A8s" title="Eva Gonzalès">Eva Gonzalès</a> berichtete er: „Wie Sie, hatten wir leider schreckliches Wetter zu ertragen. Ich glaube, es regnet hier schon seit gut anderthalb Monaten. So mußte ich, der ich hierher kam, um in dem von Lenôtre entworfenen Park Studien zu machen, mich damit begnügen, einfach meinen Garten, der der scheußlichste aller Gärten ist, zu malen. Einige Stilleben, und das ist alles, was ich mitbringen werde.“<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Zu den in Versailles entstandenen Stillleben gehört auch das Gemälde <i>Der Hase</i>. Es ist Teil einer Reihe von vier Stillleben, die aus je zwei Jagd- und zwei Pflanzenmotiven besteht. Neben <i>Der Hase</i> malte Manet mit <i><a href="Toter_Uhu" title="Toter Uhu">Toter Uhu</a></i> (<a href="Stiftung_Sammlung_E._G._B%C3%BChrle" title="Stiftung Sammlung E. G. Bührle">Stiftung Sammlung E. G. Bührle</a>, Zürich) ein weiteres an einem Nagel hängendes Tier. In beiden Bildern wird die <i>nature morte</i>, das Thema Vergänglichkeit der Stilllebenmalerei, durch das Motiv überdeutlich. Während das Bild <i>Toter Uhu</i> in Anlehnung an die <a href="Trompe-l%E2%80%99%C5%93il" title="Trompe-l’œil">Trompe-l’œil</a>-Malerei deutlicher ausgeführt ist, bleibt die Malerei von <i>Der Hase</i> „virtuos-impressionistisch“<sup id="cite_ref-Hughes/Stempel_6-0" class="reference"><a href="#cite_note-Hughes/Stempel-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und orientiert sich im Pinselstrich an Vorbildern wie <a href="Frans_Hals" title="Frans Hals">Frans Hals</a> und <a href="Diego_Vel%C3%A1zquez" title="Diego Velázquez">Diego Velázquez</a>.<sup id="cite_ref-Hughes/Stempel_6-1" class="reference"><a href="#cite_note-Hughes/Stempel-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das Motiv eines an der Wand hängenden toten Hasen findet sich wiederholt in der Stilllebenmalerei vor Manet, etwa bei <a href="Eug%C3%A8ne_Boudin" title="Eugène Boudin">Eugène Boudin</a>. Die beiden anderen Bilder Manets aus der Reihe sind die Gartenbilder <i>Ackerwinde und Kapuzinerkresse</i> (<a href="McNay_Art_Museum" title="McNay Art Museum">McNay Art Museum</a>, San Antonio) und <i>Gartenecke</i> (Privatsammlung), die beide im flüchtigen Malstil gehalten sind. Nur das Gemälde <i>Toter Uhu</i> wurde von Manet signiert – ein Zeichen, dass er dieses Bild für vollendet hielt.
</p><p>Bereits 1866 schuf Manet das Gemälde <i><a href="Das_Kaninchen" title="Das Kaninchen">Das Kaninchen</a></i> (<a href="Mus%C3%A9e_Angladon" title="Musée Angladon">Musée Angladon</a>, Avignon). Das nach einem Vorbild von <a href="Jean_Sim%C3%A9on_Chardin" title="Jean Siméon Chardin">Jean Siméon Chardin</a> gemalte Bild hat zwar motivische Ähnlichkeiten zum Werk <i>Der Hase</i>, unterscheidet sich aber deutlich in seiner Ausführung. Während <i>Das Kaninchen</i> noch im Stil des <a href="Realismus_(Kunst)" title="Realismus (Kunst)">Realismus</a> ausgeführt wurde, zeigt <i>Der Hase</i> den freien <a href="Pinselduktus" title="Pinselduktus">Pinselduktus</a> von Manets Spätwerk.
</p>
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<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Édouard Manet:<br><i>Toter Uhu</i><br>1881</div>
</li>
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<div class="gallerytext">Édouard Manet:<br><i>Ackerwinde und Kapuzinerkresse</i><br>1881</div>
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<div class="gallerytext">Édouard Manet:<br><i>Gartenecke</i><br>1881</div>
</li>
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<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Eugène Boudin:<br><i>Stillleben mit Hase und Rebhuhn</i><br>um 1856–60</div>
</li>
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<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Édouard Manet:<br><i>Das Kaninchen</i><br>1866</div>
</li>
</ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Provenienz">Provenienz</h2></div>
<p>Das Gemälde <i>Der Hase</i> befand sich bis zu Manets Tod in dessen Besitz. Bei der Nachlassauktion am 4. und 5. Februar 1884 im <a href="H%C3%B4tel_Drouot" title="Hôtel Drouot">Hôtel Drouot</a> ersteigerte Manets Freund <a href="Emmanuel_Chabrier" title="Emmanuel Chabrier">Emmanuel Chabrier</a> das Gemälde für 310 <a href="Franz%C3%B6sischer_Franc" title="Französischer Franc">Franc</a>. Nach seinem Tod kam das Bild erneut im Auktionshaus Drouot zur Versteigerung und wurde am 26. März 1896 für 1000 Franc vom Kunsthändler <a href="Paul_Durand-Ruel" title="Paul Durand-Ruel">Paul Durand-Ruel</a> erworben. Dieser verkaufte das Werk am 31. Oktober 1896 weiter an den Kunstsammler W. R. Green. Unklar ist, ob sich das Bild anschließend im Besitz des Kunstsammlers <a href="Alphonse_Kann" title="Alphonse Kann">Alphonse Kann</a> befunden hat. Als nächster Besitzer ist der Politiker und Schriftsteller <a href="Denys_Cochin" title="Denys Cochin">Denys Cochin</a> bekannt. 1917 wechselte das Gemälde schließlich über die Kunsthandlung <a href="Bernheim-Jeune" title="Bernheim-Jeune">Bernheim-Jeune</a> in den Besitz der walisischen Kunstsammlerin <a href="Gwendoline_Davies" title="Gwendoline Davies">Gwendoline Davies</a>. Sie vermachte das Bild dem National Museum Cardiff, zu dessen Sammlung es seit 1952 gehört.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Edouard Manet: <i>Briefe</i>. Deutsche Übersetzung von Hans Graber. Benno Schwabe Verlag, Basel 1933.</li>
<li>Denis Rouart, <a href="Daniel_Wildenstein" title="Daniel Wildenstein">Daniel Wildenstein</a>: <i>Edouard Manet: Catalogue raisonné</i>. Bibliothèque des Arts, Paris/Lausanne 1975.</li>
<li>Peter Hughes, Penny Stempel: <i>Französische Kunst aus dem Davies Vermächtnis</i>. National Museum of Wales, Cardiff 1982, ISBN 0-7200-0237-0.</li>
<li>George Mauner: <i>Manet – the still life paintings</i>. Harry N. Abrams, New York 2000, ISBN 0-8109-4391-3.</li>
<li>Ina Conzen: <i>Edouard Manet und die Impressionisten</i>. Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit 2002, ISBN 3-7757-1201-1.</li>
<li><a href="Gerhard_Finckh" title="Gerhard Finckh">Gerhard Finckh</a> (Hrsg.): <i>Edouard Manet</i>. Von der Heydt-Museum, Wuppertal 2017, ISBN 978-3-89202-098-1.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://museum.wales/collections/online/object/6c3d6dbd-6ff0-3685-897d-ee50dbacbbb6/The-Rabbit/?field0=string&value0=Manet&field1=with_images&value1=on&sort=relevance&index=0">Angaben zum Gemälde <i>Der Hase</i> auf der Internetseite des Nationalmuseums in Cardiff</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Deutscher Titel beispielsweise in <a href="Gerhard_Finckh" title="Gerhard Finckh">Gerhard Finckh</a>: <i>Edouard Manet.</i> 2017, S. 193.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Französischer Titel <i>La lièvre</i> gemäß dem Werkverzeichnis von Denis Rouart, Daniel Wildenstein: <i>Edouard Manet: Catalogue raisonné.</i> Band 1, 1975, S. 143, Nr. 376.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Ina Conzen: <i>Edouard Manet und die Impressionisten.</i> 2002, S. 151.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Edouard Manet: <i>Briefe.</i> 1933, S. 105.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Edouard Manet: <i>Briefe.</i> 1933, S. 106.</span>
</li>
<li id="cite_note-Hughes/Stempel-6"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Hughes/Stempel_6-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Hughes/Stempel_6-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">Peter Hughes, Penny Stempel: <i>Französische Kunst aus dem Davies Vermächtnis.</i> 1982, S. 28.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">George Mauner: <i>Manet – the still life paintings.</i> 2000, S. 175.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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